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Thorsten

Auch in die Seele von Thorsten (Name geändert) fand geistiges Gift seinen Einlass durch Schock. Bei ihm führte es den wirtschaftlichen Zusammenbruch seines Steinmetzbetriebes herbei, der bis dahin kerngesund floriert hatte, solange es ihn gab. Damit war bei Thorsten und seiner jungen Familie die Existenzgrundlage zerschlagen. Jahrelang schrammten sie stets am Rande des Existenzminimums entlang. Ein klassisches Beispiel dafür, wie es aussehen kann, wenn das Unbewusste den Geldstrom lähmt. Die Erlösung aus diesem bedrückenden Zustand bestand für Thorsten darin, dass ihm zu der Erkenntnis verholfen werden konnte, auf welche Weise er sich im Schock, ohne es selbst auch nur zu ahnen, sein geistiges Gift selbst geschaffen hatte.

Thorsten gehört zu den Tatmenschen. Sein Ding ist es nicht, die Hände in den Schoß zu legen und auf Godot zu warten. Er ließ nichts unversucht, um den Ausweg aus dieser unheilvollen Situation zu finden. Nachdem er unzählige Irrwege hinter sich gebracht hatte, landete er erst Jahre später völlig desillusioniert und voll von Skepsis bei mir in der Praxis. Wider alle Erwartungen war bereits in der ersten Therapiesitzung die Hilfe und der Ausweg, nach dem Thorsten bis dahin wie irrsinnig gesucht hatte, möglich. Schneller als auch ich es selbst gedacht hätte. Mithilfe einer Vorgehensweise, die unten noch näher erläutert wird, kam ei Thorsten die Erinnerung an ein Ereignis an den Tag, bei dem zunächst kein Zusammenhang zu dem wirtschaftlichen Zusammenbruch von Thorstens Betrieb zu bestehen schien

Wochen bevor sich die ersten Anzeichen für eine ernste Gefährdung seines Betriebes einstellten, befand sich Thorsten in der Kreisstadt seiner Region. U. a. hatte er dort auch beim Finanzamt eine Steuernachzahlung von erheblichem Umfang zu erledigen. Es handelte sich um einen sechsstelligen Betrag. Nach dem er diese unleidliche Aufgabe hinter sich gebracht hatte, machte er sich mit seinem Auto auf den Heimweg. Auf diesem Weg nach Hause geschah das Ereignis, bei dem Thorsten sich ahnungslos für das geistige Gift geöffnet hatte, das bei ihm den Geldfluss lähmte bis zu seinem Ruin.

Während Thorsten über Land fuhr, gab es plötzlich einen mächtigen Doppelknall. Ein tieffliegendes Militärflugzeug hatte die Schallmauer durchbrochen. Eine Pferdeherde, die sich in einer nahe gelegenen Koppel befand, geriet in Panik, brach aus und stürmte blind vor Entsetzen auf die stark befahrene Straße. Die Folge war ein schwerer Verkehrsunfall, der vor Thorstens Augen geschah. Verletzte, darunter ein wenige Monate altes Baby, schrieen. Ein Pferd musste auf der Stelle erschossen werden. Thorsten war so schockiert, dass auch er dermaßen die Fassung verloren hatte, dass er nicht auf seine hochgefährlichen Gedankengänge achten konnte, die jetzt bei ihm einsetzten:

"Diese Schweine (O-Ton Thorsten)! Die (gemeint war die Luftwaffe) werden jetzt auch noch von meinen Steuergeldern finanziert, die ich jetzt gerade abgeliefert habe. Es schreit zum Himmel, dass man sich das gefallen lassen muss. Widerspruchslos. Dass man dieser Unverschämtheit so hilflos ausgeliefert ist. Man sollte alles hinschmeißen und gar nichts mehr tun. Am besten nur noch Sozialhilfe beziehen und sich vom Staat ernähren und finanzieren lassen. Genau so wie diese Vaterlandsverteidiger da!" Diese Gedankengänge hatte Thorsten noch nicht einmal bei sich wahrgenommen, geschweige denn sie in ihrer Gefährlichkeit erkannt und richtig eingeschätzt. Mit Dummheit oder Oberflächlichkeit hat das nichts zu tun. Das sind vielmehr die Auswirkungen des Schockzustandes, der jeden gesunden Menschenverstand auskegelt. Fakt bei Thorsten war, dass nur wenige Wochen nach diesem Vorfall der erste schwere Umsatzeinbruch eintrat. Ab da nahmen die Dinge ihren Lauf, wie es in solchen Situationen vielfach zu beobachten ist. Thorsten war natürlich weit entfernt, zwischen diese Unfallgeschehen und dem plötzlichen Ausbleiben der Kunden einen Zusammenhang zu sehen oder auch nur zu ahnen. Vielmehr sah er sich der Situation so ausgesetzt, als habe sich ohne erkennbaren Grund alle Welt gegen ihn verschworen. Als habe das Schicksal oder gar Gott plötzlich etwas gegen ihn. Als sollte er für irgend etwas, von dem er aber nichts wusste, bestraft werden. Oder als habe ihn jemand verflucht.

Thorsten gehört gewiss nicht zu jenen Zeitgenossen, die bei geringsten Widerständen die Flinte ins Korn zu werfen pflegen. Sein angeborenes Kämpfernaturell ließ solche Gedanken gar nicht erst aufkommen. Als er merkte, dass es immer mehr abwärts ging und er allein nicht mehr dagegen ankonnte, ließ er zunächst einen klassischen Unternehmensberater kommen. Nach diversen Untersuchungen, Analysen und sonstigen Berechnungen konnte aber auch dieser nur kopfschüttelnd konstatieren, dass der rasante Umsatzrückgang ein rätselhaftes Phänomen sei, dem auch er nicht beizukommen wisse. Er könne nur sagen, dass de Ruin immer wahrscheinlicher werde, wenn es nicht gelänge, dieses Problem zu lösen. Wie es allerdings zu lösen sei, das vermöchte er nicht zu sagen.

Schließlich hörte Thorsten etwas von der Macht des Unbewussten, des positiven Denkens, von der hohen Wirksamkeit von Auto- und Hypno-Suggestionen und begann, sich in dieser für ihn als gediegener Handwerker völlig neuen Geistesrichtung zu orientieren. Solange er noch das Geld dazu hatte, besuchte er Motivationsseminare, nahm an Kursen für Mentaltraining teil, ließ sich von einem Hypnotherapeuten coachen. Mit dem Ergebnis, dass die Welt wenige Tage nach solchen Seminaren und Kursen zwar jedes Mal in rosa Farben gehüllt war, die jedoch sehr rasch verblassten, wenn es Rechnungen hagelte, die nicht bezahlt werden konnten und dafür aber noch mehr Kunden ausblieben. In solchen Situationen war das Loch, in das Thorsten dann stimmungsmäßig abstürzte, nur umso tiefer. Immer deutlicher zeigte sich, dass auch eine noch so intensive Beschäftigung in der Richtung des positiven Denkens und der Steigerung der Motivation den finanziellen Ruin nicht aufhalten würde. In dumpfer Depression musste Thorsten hilflos zusehen, wie ihm ein Fell nach dem anderen wegschwamm, ohne dass er die Möglichkeit gehabt hätte, auch nur einen Handschlag dagegen zu tun. Er musste erleben wie sich eine Hoffnung nach der anderen zerschlug, bis schließlich das Unausweichliche eintrat.

Als Thorsten Jahre später in meiner Praxis landete, glaubte er verständlicherweise an gar nichts mehr. Die Information über die eigenartige, teils sogar exotisch anmutende Art meiner Arbeit hatte er von einem Freund bekommen, de bei mir Klient war und gute Erfahrungen gemacht hatte. Bereits bei der ersten Begrüßung ließ mich Thorsten zweifelsfrei wissen: "Ich habe schon so viele vergebliche Hoffnungen begraben müssen. Mir ist es beim besten Willen nicht mehr möglich, noch an irgend etwas zu glauben. Ich kam nur deshalb her, weil ich auch diese Möglichkeit nicht unversucht lassen wollte. Sollte auch das daneben gehen, wird es mich nicht mehr vom Stuhl reißen. Denn noch schlimmer kann es kaum noch kommen."

Ohne auf diese aus tiefer Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung entstandenen Worte weiter einzugehen, bat ich Thorsten, mir zunächst zu erzählen aus der Zeit, als der Betrieb noch lief und an einen Ruin noch nicht zu denken war. Einfach was ihm dazu frei und spontan einfiele. Dazu war Thorsten gerne bereit. Nach all den Jahren nur an Enttäuschung und Depression gewöhnt, tat es ihm gut, wieder einmal über schöne Dinge zu berichten und seinen Erinnerungen an die "schöne Zeit" freien Lauf lassen zu können und zu dürfen. Während er erzählte, beobachtete ich auch seine Körpersprache sehr genau. Diese nonverbale Kommunikation kann u. U. wichtigere Hinweise geben, als das gesprochene Wort selbst. Mittels gezielter Fragen lenkte ich Thorsten für ihn selbst unmerklich so, dass er sich ei seinen Erinnerungen auf die letzten Wochen vor dem ersten großen Umsatzeinbruch konzentrieren musste. Prompt fiel ihm die besagte größere Steuernachzahlung ein. In diesem Moment beobachtete ich wie sich sein Gesicht rötete, wie sich seine Fäuste ballten, wie sich sein Schulter-Nackengürtel straffte, als wolle er einen Boxkampf antreten. In einer mächtigen Wut, die jetzt plötzlich über ihn gekommen war, blieb ihm sogar die Stimme weg.

Hier hakte ich nach: "Thorsten, diese Wut kommt nicht von ungefähr. Da muss Ihnen noch etwas eingefallen sein. Hier dürfen Sie jetzt wütend sein. Es geht doch um Ihr Wohlergehen. Lassen Sie die Wut jetzt ruhig zu und erzählen Sie weiter was Ihnen noch einfällt." Was Thorsten nur allzu gerne tat. Er erinnerte sich jetzt immer klarer an jenen dramatischen Unfall, der vor seinen Augen auf seinem Heimweg geschah, nachdem ihn das Finanzamt um einen sechsstelligen Betrag erleichtert hatte. Geführt durch meine Fragen durchlebte er wieder sein Entsetzen, als er mit ansehen musste, wie ein Polizist dem verletzten Pferd die Pistole an den Kopf hielt und abdrückte; seine Fassungslosigkeit, als das hilflose, schwer verletzte Baby markerschütternd schrie, schrie und noch mal schrie, bis endlich Notarzt und Krankenwagen eintrafen. Besonders durchlebte er aber wieder seine aus diesem Entsetzen und dieser Fassungslosigkeit heraus geborene Wut. Seine Wut gegen diese eiskalte, zynische Ignoranz alles Menschlichen durch Militärs und Politiker gegenüber und gegen die Gleichgültigkeit des Finanzamtes, welches einfach stupide die Steuern der Bürger einforderte, um diesen Wahnsinn auch noch bezahlen zu können. ….

Als ich Thorsten an diesem Punkt hatte, wurde der Rest leicht. Ich brauchte nur noch gezielt zu nach den Gedanken zu fragen, die ihm in dieser Wut und Hilflosigkeit hochgekommen waren. Die kamen ihm jetzt ganz leicht ins Gedächtnis. "(…) Alles hinschmeißen. Gar nichts mehr tun. Zum Sozialamt und sich vom Staat ernähren lassen. (…)" Siehe oben. Später berichtete mir Thorsten, dass er bereits im Augenblick dieses Wiedererinnerns an diese Gedanken das Gefühl gehabt hätte, als sei ein eiserner Panzer von ihm abgefallen, und als schaffe sich jetzt eine unaussprechliche Leichtigkeit In ihm Platz.

Schon nach wenigen Tagen konnte Thorsten eine auffällige Belebung seines Geschäftes feststellen. Es kamen Aufträge in einer Weise, wie er es seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Innerhalb weniger als einem halben Jahr war sein Betrieb wieder so gesund, dass er auf jede weitere staatliche Unterstützung verzichten konnte.

  • GELTUNG UND GELD 19, 98 €

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